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Österreichischer Barock

Dankopfer des Noe

Bildinformation:

Dankopfer des Noe

Öl/Leinwand, 127,5 x 165,5 cm

Inv. Nr.Inv. Nr. 635

Künstler:

MEMBERGER Kaspar der Ältere

um 1555 Konstanz - 1618? Konstanz

MEMBERGER Kaspar der Ältere
Als Wolf Dietrich von Raitenau (1559–1617), der Gründer des barocken Salzburg, 1587 sein Amt als Fürsterzbischof antrat, mangelte es der zeitgenössischen lokalen Kunstlandschaft an herausragenden Persönlichkeiten und qualitätvollen Arbeiten. Wolf Dietrich verpflichtete auswärtige Künstler, um seiner prunkvollen Hofhaltung gerecht zu werden.
Unmittelbar nach Regierungsantritt schuf der Konstanzer Maler Kaspar Memberger d. Ä. für den Fürsterzbischof einen fünfteiligen „Arche Noe Zyklus“. Der Auftrag geht möglicherweise auf eine frühere Bekanntschaft zurück, da auch Wolf Dietrich aus dem Bodenseegebiet stammte.
Kaspar war der Sohn des Konstanzer Malers Philipp Memberger d. Ä. (um 1510–1573) und wurde wie seine beiden Brüder vermutlich bei seinem Vater ausgebildet. Von Wolf Dietrich 1587 nach Salzburg berufen, fertigte er hier eindrucksvolle Altarblätter, Epitaphien und Porträts. Erst 1596 scheint der Künstler in den Archivalien als Salzburger Hofmaler auf. Zwei Jahre später kehrte Memberger nach Konstanz zurück, wo er als geachtete Malerpersönlichkeit 1618 starb.

 

Arche Zoe Zyklus
Membergers Noe Zyklus schildert sehr lebhaft, mit viel Liebe zum naturtreuen Detail, in fünf Bildern die wichtigsten Begebenheiten der biblischen Geschichte (Gen 6–9): den Bau sowie den Einzug in die Arche, die Sintflut, den Auszug aus der Arche und das Dankopfer Noes. Die Gemälde sind alle datiert, signiert und mit den Wappen des Landes Salzburgs wie Wolf Dietrichs versehen und haben formal den gleichen Bildaufbau: Vor einer ausschnitthaften, gebirgigen Landschaft gehen die Protagonisten im Vordergrund ihrer unterschiedlichen Tätigkeit nach.
Großartig komponiert, minutiös in der Ausführung und farblich sehr ausgewogen, lässt der Künstler in den Werken seine niederländisch-italienische Schulung erkennen. Einzelne narrative Elemente übernimmte er von Jacopo Bassanos (zw. 1510/1518–1592) Sintflutdarstellungen, ohne jedoch den bedeutenden Vertreter der späten Renaissancemalerei Venedigs zu kopieren. Vielmehr übersetzt Memberger sein Vorbild in ein heimisches Idiom, wobei die Menschen nicht mehr wie bei Bassano demütig, sondern in einer dem Hof angemessenen, gehobenen Sprache mit reicher Gewandung abgebildet sind.
Wie bereits mehrfach festgestellt wurde, können die Salzburger Gemälde als eine Allusion auf die Familie Raitenau und als private Arbeitshypothese Wolf Dietrichs gesehen werden. Sie dienten gleichermaßen zur Belehrung der weniger gebildeten Untertanen, die in den Darstellungen das Wort Gottes bildlich vorfanden.

 

Literatur
Gabriele Groschner, Thomas Habersatter, Erika Mayr-Oehring (Hrsg.): Meisterwerke. Residenzgalerie Salzburg. Salzburg 2001, S. 94, 97

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