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Österreichischer Barock

Huldigung an eine Stadtgöttin

Bildinformation:

Huldigung an eine Stadtgöttin

Öl/Leinwand, 135 x 169,5 cm

Inv. Nr.596

Künstler:

ROTTMAYR Johann Michael

1654 Laufen - 1730 Wien

ROTTMAYR Johann Michael
Unklar ist, wo und bei welchem Künstler Rottmayr seine ersten Lehrjahre absolvierte. Als 20jähriger verließ er für 13 Jahre das Erzbistum Salzburg um in Venedig in der Werkstatt des deutschstämmigen Künstlers Carl Loth (1632–1698) zu studieren. Diese Zeit in Italien war für seinen künstlerischen Werdegang einschneidend und von großer Bedeutung. Die Schulung an der italienischen, vor allem an der venezianischen Malerei des 16. Jhs., prägte und formulierte seinen Malstil. 1688 kehrte Rottmayr als bereits renommierter Künstler nach Salzburg zurück. 1698 übersiedelte Rottmayr nach Wien. 1690 malte er das große Deckenfresko in der erzbischöflichen Winterreitschule. 1711–1714 gestaltete er einen Großteil der Deckengemälde der Salzburger Residenz. Nicht nur in Wien, sondern auch in Böhmen und Mähren war er als Bildnismaler und Figurenfreskant anerkannt. 1714 wird Rotttmayr geadelt und konnte somit den Namen J.M. Rottmayr von Rosenbrunn führen, mit dem er seine Werke signierte.

 

Huldigung an eine Stadtgöttin
Die Ausführung dieser Ölskizze einer Apotheose einer florierenden Regierung oder Stadtherrschaft ist unbekannt. Stilistisch ist dieses Gemälde der Spätzeit von Rottmayrs Werk zuzuordnen. Auch hier dominiert die von Rottmayr entwickelte Teilung der Bildfäche in drei unterschiedliche Ebenen und Sphären. In der Mitte des Bildes erscheinen die drei Chariten oder Grazien, die Anmut, harmonische Schönheit und Freude verkörpern. In der unteren Region sind Wesen und Götter der Unterwelt und der mystischen Dunkelheit beheimatet. Es sind jene Wesen, die von Fruchtbarkeit, Wiedersprüchlichkeit, emotionaler Kraft und Freiheit zeugen: einerseits repräsentieren der Gott Neptun und die Tritionen die Feuchtigkeit (Meer und Flüsse ) und andererseits steht die Göttin Ceres für die Trockenheit (das Land). Wasser und Erde symbolisieren die Fruchtbarkeit und Reifung der Ernte, die die Voraussetzung für kulturellen Reichtum bildet. In der obersten Region des Bildes, im Licht durchfluteten Raum schweben die Wesen des Geistes: die Göttin der Kriegskunst und Weisheit Pallas Athena, Clio, die Muse der Geschichtsschreibung, Göttervater Zeus in der Gestalt eines Adlers und Fanfaren blasende Ruhmes(Fama)–Amoretten umringen die thronende Göttin Kybele, die große Erd– und Stadtgöttin, deren Haupt eine Mauerkrone ziert, und um deren Gunst mit Blumen– und Früchteopfern geworben wird.

 

Literatur
Gabriele Groschner, Thomas Habersatter, Erika Mayr-Oehring (Hrsg.): Meisterwerke. Residenzgalerie Salzburg. Salzburg 2001, S. 106, 108

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