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Österreichischer Barock

Der wunderbare Fischzug

Bildinformation:

Der wunderbare Fischzug

Öl/Kupfer, 44 x 63 cm
bez. re. u.: J. G. Platzer

Inv. Nr.228

Künstler:

PLATZER Johann Georg

1704 St. Michael in Eppan - 1762 St. Michael in Eppan / Südtirol

go PLATZER Johann Georg
Platzers erster Lehrer war sein Stiefvater, der Maler Joseph Anton Keßler (?-1721). Anschließend wechselte der 19jährige Malerlehrling zu seinem Onkel, dem fürsterzbischöflichen Historien- und Bildnismaler Jakob Christoph Platzer (keine Lebendaten bekannt), in die Lehre nach Passau. 1728 trat er der Akademie in Wien bei. In der kaiserlichen Hauptstadt fand er bald Mäzene und Bewunderer, die ihn großzügig unterstützten. Platzer konnte sich in der Wiener Gesellschaft etablieren und avancierte rasch mit seinen speziellen Genredarstellungen zum Modemaler des kaiserlichen Hofes. Trotzdem zog er sich 1739 als 35-Jähriger in seine Südtiroler Heimat zurück. Grund dafür war vermutlich seine immer weiter fortschreitende Parkinsonsche Krankheit. Da er deshalb unmöglich seine Hände beim Arbeiten ruhig halten konnte, zeigen seine späten Bilder eine getupfte Malmanier mit stark vibrierender Wirkung. Obwohl in Südtirol ansässig, erhielt er weiterhin regelmäßig Aufträge des Wiener Adels. 

 

Der wunderbare Fischzug
Platzer, der vor allem in Wien die üppige und sinnenfrohe Malerei der Antwerpener Schule des 17. Jh.s studieren konnte, bringt diese Vorliebe in seinen Gemälden zum Ausdruck. Sowohl Malstil, als auch Mode und Lebensweise der Bildfiguren sind dem „Goldenen Zeitalter" der Niederlande entlehnt. Als Historienmaler war Platzer in Szenen der Geschichte (Historie), klassischen Mythologie und der Bibel gleichermaßen sattelfest. Seine Bilder stellen - wie auch im „wundersamen Fischzug" (Lukas 5, 1-11) - bevorzugt vielfigurige Szenen dar. Der Duktus ist äußerst pointiert und preziös. Farbenfreudigkeit herrscht in seinen Bildern vor. Die Körper wirken fest, komprimiert und klar umrissen. Ihre Bewegungsmodi sind hingegen leicht und beschwingt. Jesus, durch ein kühles, weißes Licht hervorgehoben, erreicht auf einem vollbesetzten Schiff das Ufer, an dem sich schaulustiges Volk drängt. Zwischen den Schiffen wird das mit Fischen reich gefüllte Netz von muskulösen Fischern an Land gezogen, die damit der prophetischen Weisung Jesu zur „Menschenfischerei" bildlich Ausdruck verleihen. Die dieses Schauspiel beobachtende Menge besteht aus Personen, die in Kleidung, Frisur und geziertem Benehmen Bezug auf die höfische Gesellschaft seiner Zeit nehmen. Platzer gelang es somit seine Auftraggeberschaft und sein Publikum in eine Szene zu integrieren, die sich weit vom höfischen, durch strenges Hofzerimoniell geprägten Alltag der Aristokratie entfernte. 

 

Literatur
Gabriele Groschner, Thomas Habersatter, Erika Mayr-Oehring (Hrsg.): Meisterwerke. Residenzgalerie Salzburg. Salzburg 2001, S. 104

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