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Österreichische Malerei des 19. Jhd.

Selbstporträt

Bildinformation:

Selbstporträt

Öl/Leinwand, 50,5 x 41,5 cm

Inv. Nr.276

Künstler:

AMERLING Friedrich von

1803 Wien – 1887 Wien



AMERLING Friedrich von
Kaiser Franz I. zählte seit 1832 ebenso zu Amerlings Auftraggebern, wie die tonangebende Wiener Gesellschaft, deren Lebensgefühl der Künstler mit eleganten Arrangements und lebendigem Kolorit erfasste. Von Anfang der 30er Jahre bis gegen 1850 war er der gefeierte Porträtist und gehörte bis ins hohe Alter zu den hochgeehrten Persönlichkeiten der Metropole. Amerling studierte von 1815–1824 an der Wiener Akademie, besuchte im Anschluss bis 1826 die Akademie in Prag und hielt sich von August 1827 bis März 1828 in London auf. Hier konnte er sich intensiv mit der englischen Kunst befassen und die führende Bildnismalerei von Joshua Reynolds (1723–1792) bis Thomas Lawrence (1769–1830) studieren, auf dessen Einfluss die brillante Leuchtkraft und Transparenz von Amerlings Farbgebung zurückgeführt wird.

 

Selbstporträt
Amerling befand sich zur Entstehungszeit des Bildnisses, im Jahre 1834, in der Blüte seiner Karriere. Zwei Jahre zuvor musste er einen Romaufenthalt abbrechen, da er mit dem Porträt von Kaiser Franz I. im Krönungsornat beauftragt wurde. Seither standen ihm alle Türen offen.
Der Künstler stellt sich in deutlichem, nach links gerichtetem Profil dar, mit ernstem und aufmerksamem Blick. Amerling verzichtete auf die Beigabe künstlerischer Attribute wie Pinsel oder Staffelei sowie auf jegliche Pose und bediente sich des knappen Bildausschnittes. Bedeutung erhält der Porträtierte allein aus seiner selbstbewussten, eleganten Erscheinung. Vornehm gekleidet und mit modischem Backenbart strahlt er das gewandte weltmännische Auftreten eines vielgereisten Mannes und Mitglied der tonangebenden Gesellschaft aus. Kragen und Halsbinde setzen einen effektvollen Akzent zu dunkler Weste und Rock. Im Gegensatz zu den in der Regel idealisierten Frauendarstellungen, wird hier, wie in anderen Männerbildnissen Amerlings, dessen Bemühen um das Erfassen der Persönlichkeit deutlich. „Charakterbilder“ seiner eigenen Person entstanden bis ins Alter und dienten dem Künstler u. a. für maltechnische Studien. Dies erklärt, in diesem aus dem Ateliernachlass des Künstlers stammenden Selbstbildnis, die unbearbeitet gebliebene Umgebung des Porträtkopfes mit der deutlich sichtbaren groben Leinwandstruktur.

 

Literatur
Gabriele Groschner, Thomas Habersatter, Erika Mayr-Oehring (Hrsg.): Meisterwerke. Residenzgalerie Salzburg. Salzburg 2001, S. 114, 116

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