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Österreichische Malerei des 19. Jhd.

Porträt eines jungen Mannes

Bildinformation:

Porträt eines jungen Mannes

Öl/Leinwand, 115,5 x 80 cm

Inv. Nr.468

Künstler:

ROMAKO Anton

1832 Atzgersdorf/Wien – 1889 Wien

ROMAKO Anton
Er zählt zu den beeindruckendsten und widersprüchlichsten Künstlerpersönlichkeiten des 19. Jh.s. Von der zeitgenössischen Kritik verkannt und nach seinem Tode lange vergessen, gilt der Künstler heute als Vorläufer der österreichischen Moderne. Nach der Aufnahme an die Wiener Akademie 1847 in die Klasse von Waldmüller wurde die erste Studienzeit Romakos durch das Revolutionsjahr 1848 unterbrochen. Nach einem Jahr als Privatschüler von Wilhelm Kaulbach (1804–1874) in München trat er neuerlich in die Wiener Akademie ein, wo er unter der Leitung des Historienmalers Carl Rahl an einer Entwurfsserie für die Ausstattung der Ruhmeshalle im Arsenal mitarbeitete. Seine besten Jahre erlebte Romako, der ein hervorragender Aquarellist war, von 1857–1876 angesehen und als Mitglied führender Künstlerkreise in Rom. Nach Wien zurückgekehrt, rang er vergeblich um Anerkennung seiner ausdrucksstarken und „unzeitgemäßen“ Malerei. Vernichtende Kritik erfuhr er 1882 mit seinem Gemälde „Tegetthoff in der Seeschlacht bei Lissa“, Österreichische Galerie Belvedere Wien, Inv. Nr. 5032, einem der bedeutendsten Historienbilder des 19. Jh.s.

 

Porträt eines jungen Mannes
Romakos Malerei ist reich an erzählerischen Elementen, deren Bedeutung vor allem in seinen Bildnissen häufig verborgen bleibt. Viele davon beinhalten geringfügige Details, die als Attribute in Beziehung zur porträtierten Person stehen und als versteckte Anspielung dienen.
Das mit A. Romako Paris signierte Werk ist undatiert und entstand vermutlich anfangs der 80er Jahre. Ein junger Herr im Frack ist mit dem Anzünden einer Zigarette beschäftigt. Die Hände und das Gesicht mit fein ausgeführten Brauen und gepflegtem Oberlippenbart werden von der Flamme des Streichholzes erhellt. Eine rote Krawatte mit Nadel und Manschetten vervollständigen die elegante Erscheinung. Über der Krempe eines Zylinderhutes liegen skizzenhaft ausgeführte Handschuhe. Gemeinsam mit Büchern, Kerze und Brief stillebenartig arrangiert, verweisen die Gegenstände auf den Dargestellten. In der Verbindung von graphisch akzentuiertem Detailrealismus mit malerisch verschwimmenden Partien wie den diffusen Helldunkelmodulationen des Hintergrundes zeigt sich Romakos Handschrift, der, angeregt von Pariser Eindrücken, in der Vereinigung von Genrebild und Porträt den Typus des modernen Großstadtmenschen, des „Flaneurs“ festhält.

 

Literatur
Gabriele Groschner, Thomas Habersatter, Erika Mayr-Oehring (Hrsg.): Meisterwerke. Residenzgalerie Salzburg. Salzburg 2001, S. 136

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