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SÜNDE

STUCK Franz von

Die Sünde, um 1893

Öl/Leinwand

Neue Galerie Graz am Landesmuseum Johanneum, Inv. Nr. I/1358

Aufnahme: Bild- und Tonarchiv Graz

 

LEFLER Franz

Odaliske mit Huhka-Pfeife, Ausschnitt, um 1880

Öl/Leinwand, 58,3 x 133 cm


 

SIEBEN TODSÜNDEN sind es, die seit Papst Gregor dem Großen (um 540 – 604) zur ewigen Verdammnis führen und mit den sieben Hauptlastern gleichgesetzt werden: Stolz (superbia), Faulheit (acedia), Geiz (avarita), Neid (invidia), Zorn (ira), Unkeuschheit (luxuria) und Völlerei (gula).
Dem Gerechten und Bußfertigen winkte als Lohn nach dem Tode der Himmel (das Paradies), dem Sünder drohte die ewige Verdammnis in der Hölle.

Die christliche Lehre, die das Kunstschaffen bis ins 20. Jahrhundert wesentlich geprägt hat, sieht in der Sünde einen Verstoß gegen den Willen Gottes. Bekanntestes Beispiel ist der Sündenfall im Paradies, wo Eva, animiert durch die Schlange, Adam den Apfel vom Baum der Erkenntnis reicht, wodurch im theologischen Sinn die Sünde in die Welt der Menschen einzieht, die nun von Geburt an mit diesem Makel behaftet sind (Erbsünde). Die Schlange wurde zum Inbegriff des Bösen, der Apfel Sinnbild der Sünde.

Ab dem Mittelalter kam es zu einer intensiven künstlerischen Auseinandersetzung. Lasterdarstellungen waren in den katholisch geprägten Ländern Europas bis in den Barock eng an die religiösen Auftraggeber gebunden und im kirchlichen Umfeld allgegenwärtig.

Im 15. Jahrhundert wurde das Thema in der bildenden Kunst zunehmend in den profanen Bereich verlagert und insbesondere in den Niederlanden in sehr delikate Genreszenen eingebunden. Gelage an einer großen Tafel oder Spiel-, Tanz- und Musikszenen boten Gelegenheit die Völlerei, Unkeuschheit, Faulheit oder den Geiz einem gebildeten Publikum in unverfänglicher Weise zu präsentieren. Man ergötzte sich am liederlichen Schauspiel: den erotischen Neckereien, einer reich gedeckten Tafel, den kostbaren Gegenständen oder dem prunkvoll gestalteten Raum und wurde gleichzeitig gemahnt.

Den Werte- und Themenwandel veranschaulicht ein Blick in die griechische Antike. Man kannte zwar einen moralischen Codex, die Sünde an sich hielt aber erst mit der Christianisierung der Bevölkerung Eingang in die Vorstellungswelt der Menschen.

Die Ausstellung zeigt das Thema Sünde mit all ihrem Reichtum und ihren Facetten anhand von 90 Meisterwerken, die gleichzeitig Zeugnisse gesellschaftspolitischer Veränderungen sind - ausgehend von der griechisch-römischen Antike bis zur Kunst der Gegenwart.


Die Präsentation erfolgt nach Themengruppen:
• Sünde
• Todsünden/Laster
• Paradies/Sündenfall
• Tugenden
• Religiöse Lasterdarstellungen
• Buße/Hölle
• Versuchungen
• Antike
• Antike Mythologie und Lasterabbildungen
• Weltliche Lasterdarstellungen
• Niederländische Sittenbilder
• Sünde in der zeitgenössischen Kunst


Künstlerinnen und Künstler: Stephan Balkenhol, Richard Brakenburgh, Frans von Francken, Gilbert & George, Hans Baldung Grien, Hermann Hahn, Franziska Kantor, Alfred Kubin, Oskar Laske, Franz Lefler, Lucas van Leyden, Hans Makart, Jan Miense Moelnaer, Kolo Moser, Karl Perl, Georg Petel, Theodor Rombouts, Jan Steen, Franz von Stuck, Caspar Wolf, u.a.
Mit Beiträgen von Studierenden des Kolleg für Medientechnik und Medienmanagement an der HTL Salzburg.


Kurator: Dr. Thomas Habersatter, Residenzgalerie Salzburg


Katalog: dt., 340 Seiten mit 150 Abbildungen, Euro 21,90
Die einzelnen Beiträge setzen sich mit den theologischen, philosophischen und antiken Grundlagen sowie den mittelalterlichen und neuzeitlichen Darstellungsformen der Sünde auseinander. Niederländische Sittenbilder und aufkommende Genussmittel wie Tabak, Kaffee oder Schokolade runden das Thema ab.

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