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Italienischer Barock

Hirtenknabe

Bildinformation:

Hirtenknabe

Frühe 20er Jahre des 18. Jh.s
Öl/ Leinwand, 66 x 82,5 cm, quer oval

Inv. Nr.476

Künstler:

PIAZZETTA Giovanni Battista

1682 Venedig - 1754 Venedig

PIAZZETTA Giovanni Battista
Giovanni Battista Piazzetta war zuerst Schüler seines Vaters Giacomo Piazzetta (1640-1705), einem einfachen Holzschnitzer und Bildhauer, bevor er zu Antonio Molinari (1665-1727) wechselte. Bereits in jungen Jahren verließ Giovanni Battista Venedig und reiste um 1703 zur weiteren Ausbildung nach Bologna, wo er in die Werkstatt von Giuseppe Maria Crespi (1665-1747) eintrat. Seit den 90er Jahren galt Crespi als Hauptmeister der bolognesischen Malerschule: Sein Werk zeichnet sich vor allem durch eine Verbindung des klassischen Ideals der Brüder Carracci und Guido Renis (1575-1642) mit der Komposition und Farbigkeit Guercinos (1591- 1666) aus. In Bologna studierte Piazzetta außerdem die realistische Helldunkelmalerei Caravaggios (1573-1610) und das Figurenideal Guercinos. 1711 kehrte der Künstler nach Venedig zurück, wo er bis zu seinem Tode ansässig blieb. Neben zahlreichen Aufträgen für Ölgemälde, war Piazzetta unter seinen Zeitgenossen auch für seine qualitätsvollen Zeichnungen und Buchillustrationen bekannt.

 

Hirtenknabe/Bauernmädchen (Bauernmädchen siehe Piazzetta Inv. Nr. 475)
Piazzettas außergewöhnliche Darstellungsweise eines „Bauernmädchens" und „Hirtenknaben" zeigt sich bereits in der Wahl des Bildformates - einem Queroval. Der Junge ist stark angeschnitten, das leicht nach hinten fluchtende Gesicht durch eine große Kopfbedeckung teilweise verdeckt. Beim schlafenden Mädchen ist der Blickwinkel von vorne gewählt, wobei der Künstler durch den tiefen Dekolleté-Ausschnitt den intimen, lasziven Charakter betont. Piazzettas Stil zeichnet sich durch ein klar abgesetztes Helldunkel mit gediegenem Farbaufbau und lebendig vibrierender Hautoberfläche aus. Bei den jugendlichen Halbfigurenbildnissen hat sich der Künstler an den Halbfiguren Caravaggios orientiert. Von Crespi übernahm er das Genrehafte und den unpathetischen Realismus der Darstellungen sowie den rustikalen, volkstümlichen Charakter. Das erotische Element fand er bereits in der holländischen Malerei des 17. Jh.s vor. Zwei vergleichbare Gegenstücke finden sich im Museum of Fine Arts, Boston. Beide Bilder werden um 1720, weitere, ähnlich ausgeführte Werke in die 20er Jahre des 18. Jh.s datiert. Die Salzburger Gemälde zeigen noch immer Einfüsse aus der Bologneser Zeit Piazzettas und dürften daher nicht viel später entstanden sein als die oben angeführten Beispiele. Eine Datierung in die frühen 20er Jahre scheint deshalb gerechtfertigt. 

 

Literatur
Gabriele Groschner, Thomas Habersatter, Erika Mayr-Oehring (Hrsg.): Meisterwerke. Residenzgalerie Salzburg. Salzburg 2001, S. 68

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