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Italienischer Barock

Selbstbildnis

Bildinformation:

Selbstbildnis

Öl/Leinwand, 39,7 x 33,5 cm

Inv. Nr.312

Künstler:

BAROCCI Federico

1535 Urbino - 1612 Urbino

source BAROCCI Federico
Der Wegbereiter des italienischen Barock stammte aus einer Mailänder Bildhauerfamilie. Richtungsweisend wurde der Aufenthalt des 20-jährigen in Rom. Hier lernte er die Kunst Michelangelos (1475- 1564), Raffaels (1483-1520) und Correggios (um 1489-1534) kennen. Zwischen 1560 und 1563 folgte ein weiterer Aufenthalt in Rom. Danach war der Künstler bis zu seinem Tode in Urbino tätig. Unter dem Einfluss der Kunst Correggios entwickelte Barocci seinen von lichtem, pastellartigen Kolorit getragenen Malstil, der vom Manierismus zum Barock überleitete. Für sein Werk „Madonna del Popolo", Uffizien, Florenz, Inv. Nr. 751, eines der ersten barocken Altarbilder des Seicento, fertigte der hervorragende Zeichner insgesamt 88 vorbereitende Studien. Baroccis Einfluss reichte quer durch Europa bis weit ins Rokoko und ist bei vielen bedeutenden Künstlern nachvollziehbar. 

 

Selbstbildnis
Aufmerksamkeit und Reserviertheit bestimmen die Charakterstudie, entstanden an der Wende zum 17. Jh. Große, hervortretenden Augen über eingefallenen Wangen und ein blasser Teint machen die äußerste Konzentriertheit und Anspannung spürbar, mit welcher der von schwerer Krankheit gezeichnete Künstler sein intimes Bildnis geschaffen hat. Als individuelle Handschrift im weiteren Sinne kann man den speziellen Aufbau des Inkarnats bezeichnen, welches Barocci gewöhnlich auf der Basis einer aus Grautönen bestehenden Vormodellierung entwickelte. In seinem Selbstporträt kombinierte er die grauen und blaugrauen Halbtöne, die er an manchen Stellen mit seinen Fingern verrieb, mit einzelnen lebhaften Zinnoberakzenten. Durch seine Ausführung des Inkarnates unterschied sich Barocci nicht nur von fast allen seinen italienischen Zeitgenossen, er beeinflusste vor allem Rubens, der sie gleichsam als Vorstufe zu seiner eigenen Inkarnatmalerei übernahm. Souverän setzte Barocci den Duktus eines dicken, fülligen Haarpinsels ein und modellierte die Halskrause mit raschen, schwunghaften Strichen. Diese skizzenhafte und freie Behandlung belebt die Komposition und kontrastiert wirkungsvoll zum mehrfach lasierten Inkarnat. Bei diesem Werk dürfte es sich um eine Replik des Selbstbildnisses in den Uffizien, Florenz, Inv. Nr. 1848 handeln; eine Vorzeichnung befindet sich im Martin von Wagner Museum, Würzburg, Inv. Nr. 7205.

 

Literatur
Gabriele Groschner, Thomas Habersatter, Erika Mayr-Oehring (Hrsg.): Meisterwerke. Residenzgalerie Salzburg. Salzburg 2001, S. 62

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