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Holländischer Barock

Der verlorene Sohn

Bildinformation:

Der verlorene Sohn

1668
Öl/Leinwand, 110,5 x 98,5 cm
bez. li. u.: J. Weenix 1668

Inv. Nr.556

Künstler:

WEENIX Jan der Jüngere

1642 Amsterdam - 1719 Amsterdam

game of desire WEENIX Jan der Jüngere
Der Amsterdamer Jan Weenix wird vor allem wegen seiner opulenten Tier- und Jagdstillleben sehr geschätzt. Das samtweiche Fell eines Hasen oder etwa das flauschige Gefieder eines Vogels vor landschaftlichen Ausblicken lassen ihn als Meister stofflicher Qualitäten und vortrefflichen Landschaftsmaler erkennen. Letztlich war er auch Sohn und Schüler von Jan Baptist Weenix (1621-1660/61), einem niederländisch italianisierenden Landschaftsmaler, und ein Vetter des bekannten Geflügelmalers Melchior de Hondecoeter (1636-1695).
In jungen Jahren eiferte Jan Weenix d. J. in den Schilderungen von Straßen- und Hafenszenen seinem Vater nach, wodurch es manchmal schwer ist, beide Künstlerhände voneinander zu scheiden. In diese Zeit fällt das unten angeführte Bild der Residenzgalerie Salzburg. 1664 wurde er in die Utrechter Lukasgilde aufgenommen. Zwischen 1702 und 1714 führte der Maler einen bedeutenden Auftrag für den in Düsseldorf residierenden Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz aus.

 

Der verlorene Sohn
Da in Holland die katholische Kirche als Auftraggeberin für Kunstwerke ausfiel und die kalvinistische Lehre das Anbringen von Altarbildern sowie figürliche Darstellungen zur Verehrung verbot, dienten die Bilder der Dekoration oder zu didaktischen Zwecken. Szenen aus dem Alten und Neuen Testament zog man zur Belehrung und als Mahnung zur Mäßigung heran.
Ein beliebtes Bildthema war das Gleichnis des verlorenen Sohnes (Lk 15, 11-32), der fern seiner Heimat sämtliches Hab und Gut verprasste und demütig wieder Aufnahme bei seinem Vater fand.
Jan Weenix d. J. zeigt den Sohn als Lebemann, der fein gekleidet mit ausladender Geste sich inmitten einer frivolen, sehr heiteren Gesellschaft befindet. Leichtlebige Damen mit tiefem Dekolleté, gekleidet nach neuester Mode, preisen ihre verführerischen Reize sinnlich dem männlichen Geschlecht an. Und doch sitzt das junge Paar im Vordergrund nahe dem Abgrund; nur eine Bewegung in die falsche Richtung und schon stürzt es ins Verderben.
Häufig wurde das Gleichnis vom verlorenen Sohn zum Anlass genommen, das Dirnenmilieu in Bordellen oder wüste Wirtshausszenen mit singenden, streitenden oder raufenden Personen darzustellen.

 

Literatur
Gabriele Groschner, Thomas Habersatter, Erika Mayr-Oehring: Meisterwerke. Residenzgalerie Salzburg. Salzburg 2001, S. 32

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