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Holländischer Barock

Innenansicht der Nieuwe Kerk in Delft

Bildinformation:

Innenansicht der Nieuwe Kerk in Delft

1664
Öl/Leinwand, 78,9 x 67 cm
bez. re. u. auf der Säulenbasis: E. De. Witte fecit A°

Inv. Nr.557

Künstler:

WITTE Emanuel de

um 1617 Alkmaar - 1691/92 Amsterdam

WITTE Emanuel de
Bedeutender Maler holländischen Kircheninterieurs, der 1641-1651 in Delft und ab 1652 für den Rest seines Lebens in Amsterdam tätig war. Zusammen mit Gerard Houckgeest (um 1600-1661) und Hendrik van Vliet (1611/12-1675) gehörte de Witte um die Mitte des 17. Jhs. den Delfter Architekturmalern an, die von starren, frontalen Ansichten abgingen und schräge Einblicke wählten.
Begonnen hat de Witte aber als Historien-, Figuren- und Porträtmaler, bevor er sein eigentliches Thema fand. Obwohl der Künstler den Kirchenbildern bis knapp vor seinem Tode treu blieb, tauchen in seinem Œuvre ab Mitte der 60er Jahre verstärkt Markt- und Freiraumszenen auf.
De Witte war unter seinen Zeitgenossen hoch angesehen, dennoch geriet er in den letzten 35 Jahren seines Lebens immer wieder in finanzielle Bedrängnis. Im Winter 1691/92 fischte man ihn -  laut Arnold Houbraken (1660-1719) -  mit einem Strick um den Hals aus einem zugefrorenen Kanal.

 

Innenansicht der Nieuwe Kerk in Delft
Das Salzburger Architekturstück ist erst 1664 entstanden, zwölf Jahre nachdem de Witte Delft bereits verlassen und sich in Amsterdam angesiedelt hatte.
Ein Mann mit rotem Umhang, ein Junge und ein Hund blicken zwischen den mächtigen runden Chorpfeilern schräg in das Mittelschiff auf das Prunkgrabmal des Nationalhelden Wilhelm I. von Oranien (1533-1584). Das Bild vermittelt den Anschein des Ausschnitthaften und Momentanen; ein Kunstgriff, der den Betrachter in das Gemälde einführt und ihn unmittelbar Teil des Geschehens werden lässt. Ein ausgehobenes Grab mit Totenschädel links vorne mahnt an die Vergänglichkeit und den heiligen Ort. Dem calvinistischen Brauch folgend, ist die Kirche fast schmucklos: lediglich das Grabmal Wilhelms I., Fahnen, rautenförmige Familienwappen bzw. Totenschilde und die Orgel bereichern die gotische Architektur.
Aufbau und Komposition des Gemäldes sind vergleichbar mit einem Bild de Wittes der Hamburger Kunsthalle und einem am Institute of Art in Detroit; beide sind 1650-51 entstanden als der Künstler noch in Delft ansässig war. Im Kirchenstück der Residenzgalerie Salzburg löst sich der Meister von den realen Gegebenheiten, er ist freier und variationsreicher im Umgang mit den Formen, sein Stil ist skizzenhaft und malerisch und vermittelt mehr Atmosphäre; wie generell in den 60er Jahren Licht, Schatten und Farbe eine bedeutende Rolle in der Raumgestaltung einnehmen.

 

Literatur
Gabriele Groschner, Thomas Habersatter, Erika Mayr-Oehring (Hrsg.): Meisterwerke. Residenzgalerie Salzburg. Salzburg 2001, S. 34

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