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Holländischer Barock

Juda und Thamar

Bildinformation:

Juda und Thamar

Um 1650- 60
Öl/Leinwand, 108,5 x 130 cm

Inv. Nr.570

Künstler:

REMBRANDTSCHULE

REMBRANDTSCHULE
Dieses Gemälde - in der ersten Hälfte des 19. Jh.s Rembrandt zugeschrieben - wurde bei Ankauf 1981 im Inventar der Residenzgalerie Salzburg als Bild des Rembrandtschülers Gerbrand van den Eeckhout geführt. Diese und weitere Zuschreibungen u. a. an Aert van der Gelder (1645-1727), Karel van Savoy (1621-1665) und Willem Drost (keine Lebensdaten bekannt) werden heute für nicht mehr wahrscheinlich gehalten. Dieses Gemälde ist in die 50er Jahre des 17.Jh.s zu datieren.
Die alttestamentare Geschichte von „Juda und Thamar" mit seiner brisanten Thematik wurde gerne in der niederländischen Malerei des 17. Jh.s, bevorzugt in der Rembrandtwerkstatt, interpretiert. Es sollte zum einen moralisierend verstanden werden und zum anderen ein gesellschaftspolitisches Zeichen der sich lossagenden und emanzipierenden nördlichen Provinzen von der spanischen Fremdherrschaft bedeuten. In vielfacher Ausführung wurde es eines der zahlreichen, immer wieder kopierten Schulbilder für junge Künstler.

 

Juda und Thamar
In dem unverkennbaren Hell/Dunkel-Stil der Rembrandtschule gibt dieses Sujet eine Geschichte des Alten Testaments (Genesis 38) wieder, und stellt Juda zusammen mit der Kanaaniterin Thamar dar. Thamar ist Judas Schwiegertochter, Witwe seiner beiden verstorbenen älteren Söhne, die nun den Vollzug der Schwagerehe (Levirat), ein altjüdisches Ehegesetz, dass ihre Wiederverheiratung mit Judas jüngsten Sohn vorsieht, verlangt. Von Juda im Stich gelassen bedient sie sich einer List und setzt sich als Prostituierte verkleidet an den Straßenrand, um ihn zu verführen. Der listige Plan gelingt: Juda, der bereits seit längerem verwitwet ist, ist leicht zu verführen. Er händigt ihr als Unterpfand die patriachalen Insignien seiner Stammesgewalt aus: Stab, Ring und Schnur. Daraufhin wird Thamar Mutter von Zwillingen, die sie Perez und Serach nennt. Durch Perez, der die offizielle patriachale Erbfolge in direkter Linie fortsetzt, wird Thamar zur unmittelbaren Vorfahrin des davidischen Königshauses. In der jüdischen Interpretation ist Thamar das Paradebeispiel der sich prostituierenden und verfänglichen Weiblichkeit, deren Täuschung und Verführung verbunden ist mit der unbändigen Herrschsucht über den Mann. Die Lebensgeschichte der Vorfahrin Jesu wird im Gegensatz dazu in der christlichen Tradition positiv interpretiert.

 

Literatur
Gabriele Groschner, Thomas Habersatter, Erika Mayr-Oehring: Meisterwerke. Residenzgalerie Salzburg, Salzburg 2001, S. 26

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