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Holländischer Barock

Norwegische Landschaft mit Wasserfall

Bildinformation:

Norwegische Landschaft mit Wasserfall

Öl/Leinwand, 98 x 84,2 cm

Inv. Nr.425

Künstler:

RUISDAEL Jacob Isaacksz. van

1628 (1629) Haarlem - 1682 vermutlich Amsterdam

go here RUISDAEL Jacob Isaacksz. van
Der Sohn eines Rahmenmachers und Malers war Neffe und vermutlich Schüler des Landschaftsmalers Salomon van Ruysdael, der sein Frühwerk beeinflusste, welches auch dem Werk des Cornelis Hendriksz. Vroom (1591-1661) nahesteht. Jacob van Ruisdael wurde 1648 als Meister in die Haarlemer Lukasgilde aufgenommen. (Hier war durch Maler und Graphiker wie Hendrick Goltzius (1558-1617), Karel van Mander (1548-1606) und Esaias van der Velde (1587-1630) bereits in der zweiten Hälfte des 16. Jh.s ein künstlerisch fruchtbarer Boden bereitet worden.) 1656/57 ließ sich Ruisdael in Amsterdam nieder, dem damaligen Hauptsitz des niederländischen Kunsthandels, wo er 1659 das Bürgerrecht erhielt. 1676 promovierte er nachweislich in Caën zum Doktor der Medizin. Der bereits zu Lebzeiten für seine Landschaften überaus geschätzte und teuer bezahlte Künstler war bis ins 19. Jh. und hier vor allem für die deutschen Romantiker vorbildhaft.

 

Norwegische Landschaft mit Wasserfall
Sprudelnd und schäumend stürzt das Wasser aus einem Flusslauf zwischen mit Eichen bewachsenen Felsen herab und bildet einen breiten Wasserfall, der den gesamten Vordergrund einnimmt. Staffagefiguren auf dem hohen Felsen am rechten Bildrand nähern sich dem Schauspiel. Über felsigen Abhängen ragt eine Burg (Bentheim?) in den wolkenverhangenen Himmel und krönt die rauhe Herbstlandschaft. Deren Höhe und die Ausdehnung des Wassers befinden sich ebenso in Balance, wie Nahsicht und Fernsicht. Wasserfälle, ein seit langem beliebtes Sujet, sind ein häufiges Thema des Künstlers. Seine ersten Hochgebirgslandschaften mit diesem Motiv entstanden in den fünfziger Jahren. Allerdings hatte Ruisdael das Hochgebirge oder Skandinavien nie selbst gesehen. Es ist anzunehmen, dass er das Motiv von Allart van Everdingen (1621-1675), der 1644 Skandinavien bereiste, übernommen hatte. Ruisdael vereinte unterschiedliche Versatzstücke zu einer Bilderfindung. Mit seinen Landschaftsdichtungen ordnet er, seiner Zeit entsprechend, das Naturvorbild ästhetischen und inhaltlich-allegorischen Prinzipien unter. Ein Bild sollte nicht nur erfreuen, sondern ebenso belehren. Das rasch fließende, herniederstürzende Wasser, das ganze Eichenstämme mit sich reißt, lässt sich, der barocken Weltsicht entsprechend, als Symbol für die Vergänglichkeit allen irdischen Lebens deuten. Darüber hinaus bot das überaus beliebte Sujet des Wasserfalls mannigfaltige Gelegenheit zur Schilderung dramatisch bewegter Naturvorgänge.

 

Literatur
Gabriele Groschner, Thomas Habersatter, Erika Mayr-Oehring: Meisterwerke. Residenzgalerie Salzburg, Salzburg 2001, S. 28

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