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Französischer Barock

Porträt des Bildhauers Nicolas Le Brun

Bildinformation:

Porträt des Bildhauers Nicolas Le Brun

Um 1635
Öl/Leinwand, 86,9 x 69,3 cm

Inv. Nr.254

Künstler:

LE BRUN Charles

1619 Paris - 1690 Paris

LE BRUN Charles
Kein Maler hat die französische Kunst des 17. Jh.s derart geprägt wie Charles Le Brun, „Erster Hofmaler des Königs" und von Ludwig XIV. mit der Ausgestaltung seiner Schlösser Fontainebleau und Versailles sowie der Tuillerien und des Louvre in Paris betraut. Seinen uneingeschränkten künstlerischen Führungsanspruch verdankte er den wichtigsten politischen Persönlichkeiten im Staat: dem Kanzler Pierre Séguier, Kardinal Richelieu und Finanzminister Nicolas Fouquet sowie seinem bedeutendsten Gönner, dem Ersten Minister Jean-Baptiste Colbert. Entscheidend für die Entwicklung des jungen Le Brun war die Ausbildung bei François Perrier (1590/ 1600-1650) 1632-1634 und Simon Vouet (1590- 1649) 1634-1637. Dank der Unterstützung von Séguier konnte der Maler 1642 Nicolas Poussin (1594-1665) nach Rom begleiten und 1646 als begehrter Künstler zurückkehren. Als Mitbegründer der Académie Royale 1648 und Direktor der königlichen Akademie ab 1668 beeinflusste er die folgenden Künstlergenerationen. Nach dem Tod Colberts 1683 verlor Le Brun seine bestimmende Rolle und trat hinter dem neuen Liebling, dem Maler Pierre Mignard (1612-1695), zurück.

 

Porträt des Bildhauers Nicolas Le Brun
Bereits in sehr jungen Jahren zeigte Charles Le Brun großes Talent, wie das Porträt seines Vaters Nicolas Le Brun (?-1648) beweist, der als vornehm gekleideter Herr um 1635 von seinem Sohn abgebildet wurde. Dem Betrachter zugewandt, ein rotes Tuch dekorativ um die linke Schulter gelegt, verweist Nicolas Le Brun auf eine Statuette, möglicherweise ein Gipsabguss von ihm, der den so genannten „Antinous vom Belvedere" darstellt. Antinous, der während einer Ägyptenreise Hadrians im Nil ertrank, war ein Liebling des römischen Kaisers und wurde nach seinem Tod als Gott verehrt. Erst nachdem weitere Versionen der Statue aufgefunden worden waren, wurde offenbar, dass es sich um eine Darstellung des Gottes Merkur handelt. Die bildhauerische Vervielfältigung und malerische Umsetzung des Antinous-Motivs war in Frankreich des 17. Jh.s sehr beliebt. Ehedem schrieb man das Gemälde der Residenzgalerie Salzburg dem Maler Jacques Blanchard (1600-1638) - „Bildnis des Bildhauers François Duquesnoy" - zu. Aufgrund der Dokumentlage und einer Grafik konnte das Porträt aber dem Frühwerk Charles Le Bruns zugeordnet werden. Überdies hat Nicolas Largillierre (1656-1746) viele Jahre später Charles Le Brun mit einer identen Antinous-Statute porträtiert (Paris, Musée du Louvre). 

 

Literatur
Gabriele Groschner, Thomas Habersatter, Erika Mayr-Oehring: Meisterwerke. Residenzgalerie Salzburg. Salzburg 2001, S. 80

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