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Französischer Barock

Badende Mädchen am Meeresufer

Bildinformation:

Badende Mädchen am Meeresufer

Öl/Leinwand, 49,8 x 73,8 cm
bez. li. u.: J. Vernet . P. Romaë 1761

Inv. Nr.474

Künstler:

VERNET Claude Joseph ?

1714 Avignon - 1789 Paris

VERNET Claude Joseph ?
Intensive mediterrane Naturbeobachtungen betrieben Claude Lorrain und die im 18. Jh. lebenden und von ihren Zeitgenossen in ganz Europa geschätzten Marinemaler Claude Joseph Vernet und sein Bruder Jean Antoine Vernet (1716 Avignon-1775? Neapel). Die reinen Landschaften der Brüder stehen in der Tradition von Gaspard Dughet (1615-1675) und Salvator Rosa (1615-1673).
Erste Malkenntnisse vermittelte den Geschwistern ihr Vater, ein einfacher Dekorationskünstler, bevor Claude Joseph in die Werkstatt von Louis-René de Vialys nach Aix-en-Provence kam. Von einigen Gönnern gefördert, ging dieser 1734 nach Rom und lernte dort den französischen Marinemaler Adrien Manglard (1695-1760) kennen. 1743 wurde er Mitglied der Accademia di San Luca, heiratete 1745 und kehrte 1753 nach fast zwanzig Jahren wieder in seine Heimat zurück. Im gleichen Jahr erhielt der Künstler den königlichen Auftrag französische Hafenstädte zu malen. Es entstand eine Serie bemerkenswerter Veduten von 15 Seehäfen. 1762 ließ er sich endgültig in Paris nieder und lebte in seinen Bildern von den Erinnerungen an Italien. Über Jean Antoines Ausbildung ist nichts bekannt, nur dass  die Gemälde im Stil seines Bruders gehalten sind.

 

Badende Mädchen am Meeresufer
Das Bildnis ist bezeichnend für die umfassenden Œuvre Claude Joseph und Jean Antoine Vernets, die, inspiriert von den antiken Ruinen Roms, den Küstenstädten und der lichterfüllten Atmosphäre Italiens, romantische Hafen- und Meereslandschaften sowie Nachtstücke und Schiffbrüche schufen. Das Gemälde der Residenzgalerie Salzburg zeigt einen nicht näher bestimmbaren Küstenstreifen, mit einer Burg über schroffem Felsen und einer fernen Stadt auf einem Hügelrücken. Die Landschaft mutet italienisch an, könnte möglicherweise aber auch auf eine imaginäre Bucht in Südfrankreich hindeuten, wo Claude Joseph zahlreiche Küstenstädte abgebildet hat.
Wie bei allen ihren Meeresbildern ist die Szene mit kleinen Figuren und einer, oftmals holländischen, Fregatte ausgestattet, um einen möglichst lebendigen Eindruck zu erreichen. Im Vordergrund geben sich vier nackte Damen dem sinnlichen Vergnügen des Badens hin. Der tiefe Horizont, die durch die untergehende Sonne rötlich-gelben Wolkenfetzen am Himmel, der Sonnenschimmer auf dem türkisen Meerwasser sowie das Licht- und Schattenspiel an Land unterstreichen die romantische Sichtweise.
Trotz Signatur kann das qualitätsvolle Gemälde keinem der beiden Brüder eindeutig zugeordnet werden, da beide ihre Bilder mit „J. Vernet" bezeichneten. Jedenfalls schließen die glatte Malweise und kühle Farbgebung sowie die Ortsangabe „Rom" Jean Antoine Vernet nicht aus.

 

Literatur
Gabriele Groschner, Thomas Habersatter, Erika Mayr-Oehring: Meisterwerke. Residenzgalerie Salzburg. Salzburg 2001, S. 86

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