BEUCKELAER Joachim
Beuckelaer lernte bei Pieter Aertsen (1508-1575), dessen Marktszenen vom Publikum sehr geschätzt wurden. Anfangs thematisch von seinem Lehrer beeinflusst, entwickelte Beuckelaer früh seine eigene ikonographische Version der Küchen- und Marktszenen. Bereits Anfang der 60er Jahre entwickelte er seinen unverkennbaren Stil, in dem Beuckelaer den in die Bildtiefe zurückweichenden Hintergrund und den nah an die Bildoberfläche herangezogenen Vordergrund seiner Protagonisten, ohne harmonisierenden Mittelgrund, etablierte. Diese Marktszenen fanden noch bis weit in das 17. Jh. ihre Liebhaber und Käufer. Sie zeigen das sowohl oft karikierte, aber doch idealisierte bäuerliche Leben aus der Sicht der Städter und darüber hinaus die große Fruchtbarkeit ihres Landes.
Marktszene
Beuckelaer zeigt Alltagsgegenstände, vor allem Handwerkszeug, Küchengeräte und Geschirr aus den unterschiedlichen Materialien, die detailgetreu den gebräuchlichen Geräten seiner Zeit entsprechen. Die Kostüme seiner Bildfiguren schildern zeitgenössische Kleidung der niederländischen Markfrauen und Bauersleute. In diesem Gemälde sind drei Personen dargestellt: ein Mann nähert sich der jüngeren von zwei Marktfrauen - es scheint, mit einem eindeutigen Angebot. Um sie herum wird Marktware, wie Butter, Käse, Eier und Geflügel in Marktkörben, Fässern und auf Käseholztellern feilgeboten. Das Konsumieren gerade derartig üppiger Lebensmittel ist in erster Linie in der Fastenzeit von der Kirche auf strengste untersagt, da ihr Genuss mit dem Stillen erotischer Triebe gleichgesetzt wird. So sind die Waren, die in Beuckelaers Bild in großen Mengen vorhanden sind, metaphorisch - weniger im religiösen als vielmehr in diesem erotischen Sinne - verwendet. Man deutet sie als Aphrodisiaka oder verwendet diese umgangsprachlich als Synonym für sexuelle Gefühle und Praktiken: kleine Vögel und ein Hahn, die die junge Frau als ihre Antwort auf das anstößige Angebot des Mannes fest in den Händen hält, der gefüllte Eierkorb, den wiederum die andere Frau ins Visier nimmt und jede Menge Milchprodukte, auf die der Markthändler siegessicher und besitzergreifend seinen Holz beschuhten Fuß stellt.
Literatur
Gabriele Groschner, Thomas Habersatter, Erika Mayr-Oehring (Hrsg.): Meisterwerke. Residenzgalerie Salzburg. Salzburg 2001, S. 44